Törnberichte

Törnbericht Finnland, Estland und zurück  19.08. bis 02.09.2017

Vom 19. August bis zum 2. September brach eine 12 köpfige Gruppe des Segel Club Rüsselsheim SCR03 zu einem Törn in der nordöstlichen Ostsee, dem Finnischen Meerbusen, auf. Aus den finnischen Schären sollte es nach Estland und zurück über Helsinki zum Ausgangshafen gehen. Dieses Revier war bisher noch ein weißer Fleck auf unserer Karte der Vereinstörns. Drei Schiffe liegen für uns bereit, die Skipper sind Hans Majer, Hans-Peter Scheerer und Heiko Heese.

 

19.08.2017

Der Flug von Ffm nach Helsinki dauerte nur 2 1/2 Stunden, ein Bus brachte uns zum Ausgangshafen Taalintehdas, leider fehlte eine Gepäcktasche, die war in Frankfurt geblieben und musste, nach vergeblichen Versuchen die Tasche nachbringen zu lassen, am nächsten Morgen in aller Herrgottsfrühe vom Eigentümer am Flughafen abgeholt werden, bestimmt kein Ruhmesblatt für die Lufthansa… Die Übergabe der 3 Schiffe war dafür extrem locker, und ging in kürzester Zeit über die Bühne.

20.08.2017

Heiko und Catrin fahren um 5 Uhr mit dem Taxi nach Helsinki und sind um 9.30 Uhr mit der fehlenden Tasche zurück, eine gewisse Entschädigung ist die Begegnung mit einem Elch, dieses Erlebnis blieb den restlichen 10 leider während des Törns verwehrt. Um 11.00 geht´s los, durch die großartige Schärenwelt geht es nach Hankö, gleich ein herrlicher Segeltag zum Start des Abenteuers. Das Wetter spielt mit, die Temperaturen sind gemäßigt. In Hankö erwartet uns eine große Marina, mit allem ausgestattet, was das Seglerherz begehrt, vor allem mit Sauna und sehr schönen Sanitäreinrichtungen.

21.08.2017

Von Hankö heißt es schon früh Leinen los, denn heute liegt Kurs Dirhami an, das ist in Estland und wir rechnen mit ca. 6 Stunden Segelzeit, wir sind aber dann doch etwas schneller, unser Schiff, die ANN, eine 44er Dufour ist schneller als gedacht, es ist eine tolle Überfahrt. Der Hafen ist eher klein und sehr idyllisch gelegen, das soll noch öfter so sein auf unserer Reise. In einem Lokal direkt an der Düne beschließen wir den Segeltag, die paar Schnaken können uns den tollen Sonnenuntergang und das leckere Essen nicht vermiesen. Die Sauna ist an, die Duschen und Toiletten auch hier vorbildlich.

22.08.2017

Von Dirhami geht´s auf dem Weg nach Tallinn zum Zwischenstopp Lohusalu. Hier erwartet uns eine besondere Überraschung im Hafen, eine Nerzfamilie hat sich hier angesiedelt und läuft munter im Hafen herum. Entert auch durchaus mal eine Yacht und macht es sich unter der Sprayhood auf den Leinen bequem. Darüber hinaus sind wieder Sauna… (ich wiederhole mich)

23.08.2017

Lohusali lassen wir früh hinter uns, denn wir wollen ja was von Tallinn sehen. Die Hauptstadt von Estland ist dem einen oder anderen Mitsegler schon bekannt, aber der größte Teil der Crews ist zum ersten Mal hier, und das ist ein Erlebnis! Bei der Einfahrt in den Stadthafen fahren wir an den großen Fähren und Kreuzfahrtschiffen vorbei, von einem dieser Riesenpötte ertönt bei unserer Vorbeifahrt eine Melodie gespielt auf den Schiffshörnern, sehr beeindruckend und ich bin überzeugt, dass das unsere Begrüßung war… Nach dem Festmachen im doch schon recht leeren Hafen liegt Kurs Altstadt von Tallinn an. Fußläufig locker zu erkunden, beeindruckt die Stadt mit ihren vielen historischen Gebäuden und dem bunten Leben. Die Domkirche und der Blick von dort oben über die Stadt sind spektakulär. Abends geht´s zum Essen in ein „Musslokal“, die Olde Hansa, wo es ganz urtümlich zugeht und die Gerichte und Getränke in entsprechend historischen Räumen der Hansezeit nachempfunden sind, ein besonderes Erlebnis, wie die ganze Stadt auch. Das Wetter spielt mit, es ist nicht zu warm aber oft sonnig und trocken.

24.08.2017

Der Tag gehört auch nochmal Tallinn, man könnte hier auch viel mehr Zeit verbringen, aber eine Tour durch das ehemalige Fischerviertel Kalamaya mit den historischen Holzhäusern und den Park soll den meisten von uns für heute reichen.

25.08.2017

Heute können wir´s geruhsam angehen lassen, der Schlag nach Kelnase auf der kleinen vorgelagerten Insel Prangli ist überschaubar. Leider begrüßt uns dort ein ordentlicher Schauer, aber wir Segler sind ja zwar süß., aber nicht aus Zucker, die entsprechende Kleidung muss ab und zu ja mal an die Luft… Der Hafen ist klein und ganz urtümlich, vor allem die Toiletten, hier gibt´s mal keine Wasserspülung, eine Schaufel Sägespäne tut´s auch mal.

26.08.2017

Wieder mal ist sehr früh wecken angesagt. Heute liegt Kurs Helsinki an. Wir haben wieder perfektes Segelwetter und erreichen den inneren Hafen nahe des Marktes und direkt an der russisch orthodoxen Kirche in Rekordzeit. Das Wetter ist wieder meist sonnig und kühl, ideal für Stadtwanderungen. Finnland feiert in diesem Jahr hundertjähriges Jubiläum der Staatsgründung und heute sind es genau noch hundert Tage bis zum offiziellen Datum. Dazu findet auf den Domtreppen ein großer Event statt. Ein großer Chor mit Orchester und speziellen Glockenspielern tritt auf und die Zuschauer (jedenfalls die Einheimischen) kennen alle Lieder und singen diese inbrünstig mit. Auch wenn man die Sprache nicht versteht, etwas Gänsehaut kam dann doch auf…

27.08.2017

Auch in Helsinki ist ein Hafentag angesagt, die Stadt will erkundet sein. Wir schlendern durch de historischen Hafen, über den Markt, marschieren unter anderem zur Felsenkirche, und kommen dort prompt passend zu einem kurzen Konzert an, wieder ein Highlight. Die Kirche ist fast komplett in den Felsen gehauen, und mit einem spektakulären Dach und einer bemerkenswerten Akkustik ausgestattet.

28.08.2017

Wir machen die Leinen los und fahren erstmal die Hafenkante von Helsinki ab, eine eindrucksvolle Kulisse mit den Häfen, Fähren und Kreuzfahrern. Unser nächster Hafen ist Porkalla, wieder Idylle pur. Wir beobachten Fischadler bei der Jagd, genießen die Sauna und lassen es uns an Bord gutgehen. Für die nächsten Tage ist reichlich Wind angesagt und wir fahren teilweise ohne Abdeckung der Schären, d.h. eine ordentliche Dünung könnte das Vergnügen schmälern. Die Skipper beschließen bis Jussarö im Naturpark Ekenäs zu fahren.

29.08.2017

Die Bedingungen sind doch noch moderat, wir erreichen den kleinen Hafen Jussarö ohne Probleme. Besser so als anders… Außer einer kleinen Wanderung durch das Schutzgebiet, wo der Wald sich seit 100 Jahren selbst überlassen worden ist hier nur Stille und Natur zu genießen, für uns lärmgeplagte Rhein-Main-Bewohner auch ein besonderes und schönes Erlebnis.

30.08.2017

Der nächste Hafen ist wieder Hankö, damit schließt sich der Kreis unserer Tour. Wir legen an dem jetzt fast völlig leeren Besuchersteg an. Wir erfahren, das Hankö so etwas ist wie das Mallorca Finnlands, können uns das aber nur schwer vorstellen, denn jetzt ist das Wetter etwas regnerisch, kühl und windig. Damit beschränken sich Landgänge auf das Notwenige, Dusche Toiletten und Einkauf… Hier wird uns auch bestätigt, dass die Saison am vorletzten Augustwochenende zu Ende ging, diesen Eindruck hatten wir auch schon, haben das aber durchaus auch genossen.

01.09.2017

Um unsere Zeit optimal zu nutzen, fahren wir noch den kleinen Naturhafen Högsara an. Eine gute Entscheidung, denn auch hier empfängt uns ein Hafen, der direkt einer Geschichte von Astrid Lindgren entsprungen sein könnte. Die Sauna läuft (natürlich) und es gibt eine Treppe direkt in die Ostsee, die Saunagänger sind begeistert, die Toilettenbesucher auch, denn der Toilettengang wird hier zur Thronbesteigung. Außer uns ist nur noch ein anderes Schiff im kleinen Hafen, aber das tut der Stimmung keinen Abbruch, eher im Gegenteil.

02.09.2017

Zurück nach Taalintehdas, wir mit unserem 19 Meter Mast können die kürzere Route nicht fahren, denn eine Brücke ist auch genau mit 19 Metern Durchfahrtshöhe angegeben, und wir haben ja noch Instrumente an der Mastspitze. Es erweist sich als eine Fügung, denn unser letzter Schlag wird nochmal ein perfekter Segeltag, es wird gewendet und gehalst und sich gefreut bis wir wieder im Ausgangshafen ankommen. Außerdem sichten wir noch einen Seehund im Fahrwasser kurz nach dem Auslaufen in Högsåra. Nach einer Doku im Fernsehen über die Ostsee gibt es Seehunde nur bis zur schwedischen Südküste, weiter östlich keine mehr. Das wissen wir jetzt aber besser. Die Übergabe gestaltet sich genauso problemlos wie die Übernahme.

Resümee

Ein fantastischer Törn, der Kontrast zwischen sagenhafter Schärenlandschaft und den „Metropolen“ Hankö, Tallinn und Helsinki machten den Reiz des Törns aus. Die Bedingungen zum Segeln waren durch die Bank ideal, Flaute war die ganz seltene Ausnahme, dafür durften wir auch durchaus mal wieder das Reffen üben. Die Schären, teilweise als Naturparks geschützt, haben uns eine reichhaltige Tierwelt, wie z.B. See- und Fischadler, die Nerze und die vielen Wasservögel präsentiert, den Seehund nicht zu vergessen. Die Navigation in den Schären erfordert eine hohe Aufmerksamkeit und ist damit eine Herausforderung deren Bewältigung aber Spaß macht, wobei die Ausschau nach der nächsten Fahrwassertonne einen im Eifer des Gefechtes auch mal an der Hafeneinfahrt vorbeisegeln lässt… Die Sauberkeit auch der kleinsten Häfen war bemerkenswert und natürlich war der Aufenthalt in Tallinn mit der erlebbaren Geschichte dieser tollen Stadt einer der Höhepunkte des Törns. Alles in allem so oder so ähnlich unbedingt wert mal wiederholt zu werden!

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